In Personaler - Arbeitsrecht

Prof. Dr. iur. Thorsten S. Richter – Meldeformalitäten für Unternehmen!

Hier erfährst Du:

  • Was mit Deinen als Arbeitnehmer in der gesetzlichen Rentenversicherung erworbenen Rentenansprüchen wird.

  • Dass es für manche Berufsgruppen einen Zwang zur Rentenversicherungspflicht gibt!

  • Warum es wichtig ist schon bei der Gründung an das Alter zu denken, Stichwort 3 Schichten-Modell!!

Deine typische Ausgangssituation

Als Angestellter hat man bereits in die Rentenversicherung eingezahlt, so dass man sich bei der Selbständigmachung nun fragt

  • was mit den alten Rentenanwartschaften passiert?

  • ob man auch als Selbständiger weiterhin in die Rentenkasse einzahlen muss?

  • wie hoch die Beiträge sind und wie sie bemessen werden?

Deine Ziele

  • Nachzahlungen wegen vergessener Rentenversicherungszahlungen vermeiden!

  • Für das Alter vorsorgen und

  • insolvenzgeschützte Anwartschaften begründen!

Dein Weg

Schritt 1 Berufsgruppenspezifische Versicherungpflicht
Schritt 2 Freiwillige Versicherung
Schritt 3 Versicherungspflicht auf Antrag nach 5 Jahren
Schritt 4 Rürup-Renten
Schritt 5 Einsatz als Kreditsicherungsmittel
Schritt 6 Pfändungsschutz
Schritt 7 Rentenbeiträge
Schritt 8 Rentenhöhe
Schritt 9 Grundversorgung und weitere Rücklagen
Schritt 10 Versorgungswerke der Standeskammern

Schritt 1 Berufsgruppenspezifische Versicherungpflicht: Prüfen, ob man zu der Berufsgruppe gehört, bei der Selbständige sich (zumindest zeitweise) rentenversichern müssen!

bestimmte Berufsgruppen müssen in jedem Fall bei der gesetzlichen Rentenversicherung versichern, vgl. die Auflistung versicherungspflichtiger Selbständiger im § 2 Sozialgesetzbuch VI.

Dazu zählen beispielsweise

  • Handwerker/-innen,

  • Hebammen,

  • Lehrer/-innen, Nachhilfelehrer, Coaches, Dozenten, Skilehrer, Reit- und Fahrschullehrer, also jeder, der in irgendeiner Form Wissen, Können oder Fertigkeiten an andere weiter gibt

  • Tagesmütter, sobald sie eine erzieherische und nicht nur verwahrende Tätigkeit ausüben

  • Künstler/-innen und Publizisten/Publizistinnen.

  • etc.

Nicht versicherungspflichtig

  • Heilkundige, die die Diagnose stellen und die medizinisch erforderliche Behandlung der Kranken bestimmen,

  • z.B. Ärzte, Arbeitstherapeuten, Logopäden oder Psychotherapeuten.

Prof. Richters Tipps:

  • Ausnahmen beachten: es gibt auch hier Ausnahmen, insbesondere dann, wenn man sozialversicherungspflichtige Angestellte beschäftigt.

  • Broschüren sich besorgen und lesen: Ich und meine Rente der DRV

  • Erkundigungen einholen: Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung.

Schritt 2 Freiwillige Versicherung: Prüfen, ob die Voraussetzungen für eine freiwillige Rentenversicherung besteht!

Freiwillig Versicherte können die Anzahl und Höhe ihrer Beiträge selbst festlegen und jederzeit für die Zukunft verändern.

  • Für einige Selbständige ist auch der Erhalt der Anwartschaft auf eine Erwerbsminderungsrente durch eine lückenlose Zahlung freiwilliger Beiträge möglich.

  • Und: Die Ansprüche auf Alters- und Hinterbliebenenrente, die man sich in der Zeit als Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer erworben hat, bleiben erhalten.

Schritt 3 Versicherungspflicht auf Antrag nach 5 Jahren: Versicherungspflicht auf Antrag nachträglich beantragen!

Innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme Ihrer selbständigen Tätigkeit kann man die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung beantragen.

Vorteil:

  • Im Unterschied zu freiwilligen Versicherten, haben Pflichtversicherte auch Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente und auf Rehabilitationsleistungen.

Nachteil:

  • Hat man sich einmal für die Antragspflichtversicherung entschieden, kann diese nicht wieder gekündigt werden. Sie bleibt für die Dauer Ihrer selbständigen Tätigkeit bestehen.

Schritt 4 Rürup-Renten: Prüfen, ob die Rürup-Rente sinnvoll ist!

Während die Riester-Rente lediglich Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung und ihren Angehörigen sowie Freiberuflern offen steht, können über die Basis-Rente („Rürup-Rente“) auch die Angehörigen der verkammerten freien Berufe für ihr Alter vorsorgen.

Ob dies im Einzelfall sinnvoll ist, sollte jeder Freiberufler sorgfältig prüfen.

  • So schließt etwa eine Höherversicherung im Versorgungswerk einen Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenschutz ein,

  • während dieser im Rahmen einer Rürup-Rente nur gegen zusätzlichen Beitrag versichert werden kann.

Schritt 5 Einsatz als Kreditsicherungsmittel: Klären, ob Altersvorsorge als Kreditsicherungsmittel eingesetz werden soll!

Man muss sich im Klaren sein, ob

  • man eine Lebensversicherung tatsächlich zur Altersvorsorge oder

  • eventuell als Kreditsicherungsmittel einsetzen möchten. In letzterem Fall erhält man nämlich keinen Pfändungsschutz.

Schritt 6 Pfändungsschutz: Beachten, ob und wie private Altersvorsorge geschützt ist!

Um die Altersvorsorge vor einer Pfändung zu schützen, müssen Lebensversicherungen, private RentenversicherungenBankspar- und Investmentfondssparpläne folgende Bedingungen erfüllen:

  • Die Rente wird nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahres oder nur bei Eintritt der Berufsunfähigkeit gewährt;

  • über die Ansprüche aus dem Vertrag darf nicht verfügt werden;

  • die Bestimmungen von Dritten mit Ausnahme von Hinterbliebenen als Berechtigte ist ausgeschlossen;

  • die Zahlung einer Kapitalleistung, ausgenommen eine Zahlung für den Todesfall, ist nicht vereinbart.

Die Höhe des pfändungsgeschützten Vorsorgekapitals ist begrenzt und hängt vom Lebensalter des Berechtigten ab.

Die gesetzliche Regelung zum Pfändungsschutz bei Altersrenten findet man

Schritt 7 Rentenbeiträge: Höhe hängt von Berufsgruppe und Art der Versicherung ab!

Gruppe 1

Beruflich Selbständige, die bei der Deutschen Rentenversicherung freiwillig versichert sind, zahlen

  • einen Beitrag von monatlich mindestens 83,70 Euro und höchstens 1.283,40 Euro (West) und 1.199,70 (Ost) (2020).

  • Der Mindestbeitrag entspricht 18,6 Prozent eines monatlichen Bruttoeinkommens von 450 Euro.

  • Man kann auch höhere Beiträge zahlen, allerdings nur bis zu einem Einkommen in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze. Diese liegt bei einem Bruttoeinkommen von 6.900 Euro (West) bzw. 6.450 Euro (Ost) pro Monat (2020).

Gruppe 2

Hinsichtlich der Beiträge bei Antragspflichtversicherten gibt es drei Möglichkeiten:

  • Halber Regelbeitrag für Gründerinnen und Gründer: Innerhalb der ersten drei Jahre der beruflichen Selbständigkeit, kann man sich für den halben Regelbeitrag entscheiden. Er beträgt 2020 monatlich 296,20 Euro (West) und 279,93 Euro (Ost).

  • Regelbeitrag: Unabhängig vom Einkommen, kann man auch den vollen Regelbeitrag zahlen. Er liegt bei monatlich 592,41 Euro (West) und 559,86 Euro (Ost).

  • Einkommensgerechter Beitrag: Selbständige können auch höhere oder niedrigere Beiträge als den Regelbeitrag zahlen, wenn sie ein entsprechend abweichendes Einkommen anhand des letzten Einkommensteuerbescheides nachweisen.

Gruppe 3: 

Künstler, Publizisten, Seelotsen, Hausgewerbetreibende, Küstenschiffer und -fischer

  • brauchen nur einkommensgerechte Beiträge zahlen.

  • Künstler und Publizisten, die Mitglied der Künstlersozialkasse sind, zahlen jeweils nur die Hälfte ihres Beitrags.

Gruppe 4: 

Handwerker können je nach Gewerk nach der Handwerksordnung für eine bestimmte Zeit( verpflichtet, Versicherungsbeiträge zu bezahlen. Es kommt auf folgende Aspekte an:

  • zulassungsfreies Handwerk  der Anlage B der HWO (z.B. Hausmeisterservice), in der Regel nicht rentenversicherungspflichtig

  • zulassungspflichtige Handwerksarten der Anlage A der HWO, z.B. Dachdecker, Bäcker, etc.

  • bereits vorhandene Pflichtbeiträge, Befreiung nach 216 Pflichtbeiträge, 18 Jahre

Schritt 8 Rentenhöhe: Auskunft über möglichen Rentenhöhen von Zeit zur Zeit einholen und Lücken abdecken!

Rentenansprüche als Arbeitnehmer:

Die Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung, die man sich in der Zeit als Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer erworben hat, bleiben erhalten.

Schritt 9 Grundversorgung und weitere Rücklagen: Gesetzliche Rentenversorgung ist nur eine Säule der effektiven Altersvorsorge

Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung deckt für den Selbständigen normalerweise nur eine Grundversorgung ab.

Um im Alter ausreichend abgesichert zu sein, sollte man daher für weitere Rücklagen sorgen:

  • durch Geldanlagen wie Sparverträge,

  • Immobilienbesitz,

  • Kapital bildende Lebensversicherungen oder

  • eine private Rentenversicherung.

Schritt 10 Versorgungswerke der beachten: Manche Freiberufler haben eigene Rentenversicherungswerke!

Alle Freiberufler, die in einer berufsständischen Kammer, auch Standeskammer genannt, organisiert sind, müssen sich in dem Versorgungswerk der Kammer eintragen lassen.

Solche kammerpflichtigen Freien Berufe sind zum Beispiel

  • Ärzte,

  • Apotheker,

  • Notare,

  • Anwälte,

  • Steuerberater,

  • Wirtschaftsprüfer,

  • Architekten

  • Außerordentliche Mitglieder (Ingenieure/Psychotherapeuten)

Durch die Mitgliedschaft im Versorgungswerk werden Beiträge für die Rentenversicherung als Freiberufler fällig. Der beim Versorgungswerk zu entrichtende Beitrag des Freiberuflers orientiert sich in der Regel am Höchstbetrag der gesetzlichen Rentenversicherung. So sieht es das Sozialgesetzbuch vor (§ 157 SGB VI).

Einige Angestellte aus bestimmten Berufsständen, wie zum Beispiel angestellte Rechtsanwälte oder angestellte Architekten, können sich von der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen, um nicht gleichzeitig in den beiden Versicherungssystemen, also in der berufsständischen Versorgung und der gesetzlichen Rentenversicherung, versichert zu sein.

Weitere Fundstelle: Dachverband der deutschen Versorgungswerke ABV

Zusammenfassung

  • Altersvorsorge ist immer wichtig und sollte aus mehreren Schichten bestehen: Immobilien, Kapitallebenssversicherungen, Rentenversicherungen, etc.

  • Insolvenzsschutz ist wichtig, damit man im Alter nicht mit leeren Händen da steht.

  • Grundsätzlich ist die deutsche Rentenversicherung eine Pflichtversicherung nur für Arbeitnehmer.

  • Ausnahmsweise können aber Selbständige und auch Freiberufler versicherungspflichtig sein, was im Einzelfall zu prüfen ist.

  • Die Folge ist die Entrichtung von Beiträgen an die Deutsche Rentenversicherung, Sitz in Berlin.

  • Ausnahmweise gibt es auch Standeskammer, die eigenen rentenversicherungsrechtliche Versorgungswerke haben.

  • Besonderheiten gelten insbesondere bei Künstlern und der Künstlersozialkasse, die kein Leistungsträger ist, sondern die Beiträge ihrer Mitglieder zur gesetzlichen Renten- und Pflegeversicherung sowie zu einer Krankenkasse bezuschusst.

  • Freiwillige Rentenversicherung ist zu prüfen, wenn auf privatem Wege kein gleichwertiger und insolvenzgeschützter Schutz erreicht werdcen kann.

  • Die Höhe der Beiträge hängt ab von den jährlichen wechselnden Beitragssätzen, z.B. 18,6 % (2020), den Beitragsbemessungsgrenzen, evtl. zu zahlenden Regelbeiträgen auf der Basis eines durchschnittlichen Gewinns (2020: 18,6 % von 3.185 Euro (West) bzw. 3.010 Euro (Ost) monatlich).

  • Gründer können sich bis zu drei Kalenderjahre nach Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit für den halben Regelbeitrag entscheiden. Dann wird der Beitrag lediglich auf Grundlage der Hälfte der durchschnittlichen Bezugsgröße in Deutschland ermittelt

Call to Action

  • Eigene Versicherungspflicht überprüfen!

  • Eigene Vorsorgemöglichkeiten analysieren!

  • Mögliche monatlichen Beiträge ausrechnen – was kann man zurücklegen pro Monat?

  • Freiwillige Versicherung überprüfen!

  • Ersten 3 Jahre evtl. Beitragsminderung beantragen!

Quiz

  • Muss sich jeder Gründer bei der Rentenversicherung anmelden?

  • Wie berechnen sich die Beiträge?

  • Was ist eine Beitragsbemessungsgrenze?

  • Zahlt die Beiträge zur Rentenversicherung immer komplett der Unternehmer?