In Existenzgründer - Gewerberecht

von Prof. Dr. iur. Thorsten S. Richter

Schritt 1 Werden Sie sich über die Vor- und Nachteile eines Einzelunternehmers klar!
Schritt 2 Klären Sie, ob Sie mit den Vor- und Nachteilen eines Gesellschafters klar kommen!
Schritt 3  Prüfen Sie, ob Projekt-Mitarbeiter ausreichend wäre!
Schritt 4 Verbindung mit freien Mitarbeitern!
Schritt 5 Einstellung von Arbeitnehmern statt Gesellschaftern!


Schritt 1
Werden Sie sich über die Vor- und Nachteile eines Einzelunternehmers klar!

Die Beteiligten im Ausgangs-Fall der “Gbr-mbH” haben sich entschlossen, den Betrieb nicht als Einzelunternehmer zu betreiben, sondern als Gesellschafter.

  • Damit ändert sich vieles – und nicht nur rechtlich, sondern auch praktisch!
  • Rechtlich gesehen, ist beim Einzelunternehmer nur eine natürliche Person, ein Mensch, derjenige, der aus den zu Gewinnerzielungszwecken abgeschlossenen Rechtsgeschäften verpflichtet.

Vorteile:

  • Er allein ist der Träger des Unternehmens und kann frei entscheiden, welche eigenen Zwecke er wie erreichen will.
  • Der Gewinn fällt ihm vollständig zu, der Verlust muss von ihm allein getragen werden.
  • schnelle Entscheidungen: für den Einzelunternehmer sind Entscheidungsprozesse sehr viel einfacher zu organisieren, da er sich nicht mit anderen zwangsweise abstimmen muss aber natürlich kann, wie z.B. mit dem Steuerberater, Unternehmensberater etc.
  • keine Streitigkeiten mit anderen Mitunternehmern bzw. Mitgesellschaftern
  • kein Mindestkapital notwendig, Gründung mit Schulden oder 1 Euro möglich
  • weniger Kosten, da keine Gebühren durch Notar, Handelsregister, etc. zunächst anfallen
  • sehr einfache Gründung,
  • nur wenige Formalitäten 
  • Haftung mit Privatvermögen verschafft in der Regel gutes Rating gegenüber der Hausbank, z.B. bei Kreditverhandlungen, aber
  • auch größeres privates Risiko

Nachteile:

  • tiefgehende Beratung durch andere Mitgesellschafter fehlt
  • alles muss alleine entschieden werden
  • alleinige Haftung, so dass im worst case alles weg ist: privates und geschäftliches Vermögen
  • evtl. problematische Finanzierung, da kein Mitgesellschafter etwas beisteuern kann
  • Bestehen der Firma hängt vom Inhaber und dessen alleinigen Fähigkeiten ab
  • Problem der Vertretung im Krankheitsfall
  • steuerlich können als Lohn entnommene Geldbeträge nicht als Betriebsausgaben mit Gewinnen verrechnet werden
  • langjährige Existenz evtl. nicht gesichert, wenn kein Firmennachfolge in Sicht ist


Schritt 2
Klären Sie, ob Sie mit den Vor- und Nachteilen eines Gesellschafters klar kommen!

Rechtlich gesehen ist eine Gesellschaft ein rechtsgeschäftlicher Zusammenschluss mehrerer Personen auf dem Gebiet des Privatrechts zur Verfolgung eines gemeinsamen Zwecks. Damit gehen neue Fragen einher, die ein Einzelunternehmer nicht entscheiden muss, z.B.

  • wie der Gewinn verteilt wird,
  • was bei einer Kündigung passiert,
  • etc.

Deshalb muss das einer Gesellschaft zugrundeliegende  Gesellschaftsrecht wesentlich mehr Fragen noch beantworten, als es für einen Einzelunternehmer notwendig ist.

Vorteile:

  • allgemein gilt: geteiltes Leid ist halbes Leid – geteilte Freude ist doppelte Freude
  • Verteilung der Lasten auf mehrere Schultern
  • Bündelung von Know-how, d.h. Zusammenbringen von mehreren Kompetenzen, so dass mehr erreicht wird, als wenn man alleine tätig ist
  • mehr Verbindlichkeit der Gesellschafter untereinander, da jeder ein Interesse an dem Gelingen des Gesellschaftszweckes hat
  • besserer Ausgleich von finanziellen Notlagen, in dem andere Gesellschafter „einspringen“
  • evtl. geringeres Haftungsrisiko, da mehrere aufpassen

Nachteile:

  • erhöhtes Risiko, wenn andere Mitgesellschafter Fehler machen, die zu Lasten des Gesellschaftsvermögens gehen
  • mehr Abstimmungsbedarf, mehr Organisation erforderlich


Schritt 3
Prüfen Sie, ob Projekt-Mitarbeiter ausreichend wäre!

  • Projekt-Mitarbeiter sind in der Regel keine Mitgesellschafter, sondern arbeiten z.B. auf der Basis von Werk- oder Dienstverträgen bestimmte Leistungen zu, die Sie in Ihrer Gesellschaft brauchen.
  • Ausnahmen: es bestehen vertragliche Vereinbarungen mit Projekt-Mitarbeitern, die ähnlich einem Gesellschaftsvertrag oder einem Arbeitsvertrag sind

Vorteile:

  • die Verbindung ist noch locker,
  • schnell zu beenden,
  • Kosten sind gut planbar, evtl. einem Auftraggeber in Rechnung stellbar,
  • man kann sich sorglos “beschnuppern

Nachteile:

Projekt-Mitarbeiter sind nicht immer voll und ganz nur bei Ihrer “Sache”, z.B.

  • haben andere Auftraggeber,
  • sind evtl. zeitlich nicht verfügbar,
  • erfahren evtl. Ihre Geschäfts-Geheimnisse,
  • schriftlicher Vertrag ist erforderlich


Schritt 4
Verbindung mit freien Mitarbeitern!

  • Freie Mitarbeiter sind nur auf Werk- oder Dienstvertragsbasis für Ihre Geschäftsidee tätig,
  • Die für Projekt-Mitarbeiter dargestellten Vor- und Nachteile gelten auch hier

Weitere Nachteile:

  • verstärkte Gefahr der Scheinselbstständigkeit,
  • dann wäre der freie Mitarbeiter ein Arbeitnehmer in Ihrer Gesellschaft mit Kostennachforderungen von der Sozialversicherung und dem Finanzamt


Schritt 5
Einstellung von Arbeitnehmern statt Gesellschaftern!

Wenn Sie

  • die Kenntnisse des Partners häufiger und intensiver benötigen,
  • Sie ein Team aufbauen wollen, dass immer verfügbar und lenkbar ist,

Dann sollten Sie an die Einstellung des Know-how-Trägers auf Arbeitsvertragsbasis in Erwägung ziehen!

  • Folgen: arbeits-, steuer- und sozialversicherungsrechtliche Fragen stellen sich