In Existenzgründer - Gewerberecht

von Prof. Dr. iur. Thorsten S. Richter

Fall

Im Ausgangsfall des rumänischen Trockenbauers R (Finanzgericht Sachsen, 13.08.2014 – 8 K 650/14) sind in dem Fragebogen unter 3. Angaben zur Festsetzung der Vorauszahlungen die nachfolgenden Angaben zu machen:

Auf einem Blick

1 Voraussichtliche Einkünfte
2 Voraussichtliche Höhe der Sonderausgaben
3 Voraussichtliche Höhe der Steuerabzugsbeträge


1
Voraussichtliche Einkünfte – Zeilen 109 – 116

Tipp 1
Für das Jahr der Betriebseröffnung und das Folgejahres sind die voraussichtlichen Einkünfte ehrlich anzugeben!

Damit es nicht zu allzu hohen Außenständen und zu hohen Nachzahlungen kommt, existiert das Instrument der Vorauszahlungen.

Dabei wird dem Steuerpflichtigen im Vorgriff auf die zu erwartende Steuer in der Regel in jedem Quartal des laufenden Jahres,

  • z.B. 2019, eine Vorauszahlung für die Steuer für das gesamte Jahr 2019, abverlangt.

Dieses ist daher im beiderseitigen Interesse.

Tipp 2
Vergessen Sie nicht die Einkünfte von Ehegatten(in)/Lebenspartner(in)!

Bei einer Zusammenveranlagung mit einem Ehegatten(in)/Lebenspartner(in) ist auch dessen Einkommensituation anzugeben.

Tipp 3
Kalkulieren Sie vorsichtig!

Soweit man keine wirklichen Anhaltspunkte für die Einnahmen hat, gelten folgender Ratschläge:

  • Man sollte man sich z.B. mit einem Mindest-Umsatz von 500 Euro hier einschätzen.
  • Dieser wird dann bei Aufnahme der Tätigkeit zum Jahresanfang mit 12 Monaten und
  • bei Aufnahme während des Jahres mit der Anzahl der Restmonate multipliziert, z.B. bei Beginn zum 1.7., mit 6 Restmonaten.

Tipp 4
Beachten Sie die Vorschriften für die Kleinunternehmerregelung!

Bevor man den Beginn der Tätigkeit anfängt, sollte man die Kleinunternehmerregelung kennen, da es hier auf die Einhaltung von bestimmten Umsätzen innerhalb bestimmter Zeiträume geht.

Wenn hier nicht sauber gearbeitet wird, könnte evtl. die Kleinunternehmerregelung, die zur Befreiung der Umsatzsteuerpflicht führt, nicht mehr möglich sein.

Test

  • Erklären Sie, warum Steuervorauszahlungen in der Regel gut für Finanzamt und Steuerpflichtigen sind!

2
Voraussichtliche Höhe der Sonderausgaben – Zeile 117

Tipp 1
Für das Jahr der Betriebseröffnung und das Folgejahres benötigt man zur Ermittlung der Steuerlast die Sonderausgaben!

Wie bereits bei den voraussichtlichen Einnahmen geschildert, existiert das Instrument der Vorauszahlungen, damit es nicht zu allzuhohen Außenständen und zu hohen Nachzahlungen kommt.

Von diesen Einkünften sollen aber sogleich die Sonderausgaben laut §§ 10 ff. EStG abgezogen werden, die man in zwei Gruppen unterteilen kann: Die Vorsorgeaufwendungen und die “anderen” Sonderausgaben.

Zu den Vorsorgeaufwendungen gehören:

  • Beiträge für die Altersvorsorge (auch private Rentenversicherungen wie die Riester-Rente)
  • Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung
  • Beiträge zu weiteren Versicherungen (zum Beispiel Unfall- und Haftpflichtversicherung)

Andere“ Sonderausgaben sind z.B.

  • Unterhalt an den geschiedenen oder getrennt lebenden Ehegatten
  • gezahlte Kirchensteuer
  • Spenden und Mitgliedsbeiträge
  • Kosten für die erste Ausbildung
  • Schulgeld (z.B. für eine Privatschule)

Tipp 2
Vergessen Sie nicht die Einkünfte von Ehegatten(in)/Lebenspartner(in)!

Bei einer Zusammenveranlagung mit einem Ehegatten(in)/Lebenspartner(in) sind auch dessen Sonderausgaben anzugeben.

Test

  • Welche Ausgaben fallen unter die Sonderausgaben und wo sind diese im Gesetz erwähnt?

3
Voraussichtliche Höhe der Steuerabzugsbeträge – Zeile 118

Tipp 1
Für das Jahr der Betriebseröffnung und das Folgejahres benötigt man zur Ermittlung der Steuerlast die Steuerabzugsbeträge!

Wie bereits bei den voraussichtlichen Einnahmen geschildert, existiert das Instrument der Vorauszahlungen, damit es nicht zu allzuhohen Außenständen und zu hohen Nachzahlungen kommt.

Von diesen Einkünften sollen aber sogleich die Steuerabzugsbeträge abgezogen werden, wie z.B.

  • Lohnsteuer
  • Solidaritätszuschlag
  • Kirchensteuer
  • Betriebsausgaben (bei Selbstständigen)
  • Werbungskosten
  • Einkommensteuervorauszahlungen

Tipp 2
Vergessen Sie nicht die Einkünfte von Ehegatten(in)/Lebenspartner(in)!

Bei einer Zusammenveranlagung mit einem Ehegatten(in)/Lebenspartner(in) sind auch dessen Steuerabzugsbeträge anzugeben.

Test

  • Welche Ausgaben fallen unter die Steuerabzugsbeträge und wo sind diese im Gesetz erwähnt?

 

=> Weiter geht es…

 

 

PS: Alle Inhalte wurden sorgfältig recherchiert und juristisch geprüft. Trotzdem kann es vorkommen, dass die Inhalte aufgrund der im konkreten Fall gegebenen Besonderheiten nicht passen. Eine Haftung kann für die obigen Inhalte nicht übernommen werden.

Um das auszuschließen bitte ich Sie, vor der Anwendung der hier erläuterten Inhalte diese zu überprüfen und bei Zweifeln u.a. unsere juristischen Partner zu kontaktieren.