In Existenzgründer - Gewerberecht

von Prof. Dr. iur. Thorsten S. Richter

  • Welche Kriterien könnnen bei der Standortwahl betroffen sein?
  • Wie führt man eine Standortwahl durch?

 

In dem Ausgangsfall des BGH vom 14. 7. 2009 – VIII ZR 165/08, wurde ein Immobilienbüro in einer 2-Zimmer-Miet-Wohnung betrieben – es kam zur Vermieter-Kündigung wegen fortgesetzter gewerblicher Nutzung.

Zunächst ist zu klären,

  • welche Standortwahlkriterien und
  • Verfahren im Fall angesprochen sind!

 

Auf einem Blick

1 Standortbegriff
2 Harte Standorttfaktoren
3 Weiche Standorttfaktoren
4 Verfahren der Standortwahl
5 Virtuelle Standorte und Standortfaktoren

 

1
Standortbegriff

Definition: Ort, an dem ein Betrieb seine Produktionsfaktoren einsetzt, um Güter bzw. Dienstleistungen zu erbringen

  • Abzugrenzen: innerbetriebliche Standortplanung will die Anordung der Betriebsmittel, Arbeitspätze, etc. innerhalb eines Betriebes klären, sog. Layout

Den idealen Standort für alle Betriebe gibt es nicht – einzelfallabhängig

  • B. Nahrungsmittelindustrie, Holzindustrie = günstige Lage zu Rohstoffquellen und Beschaffungsmärkten entscheidend
  • Textil, Feinmechanik und Optik-Industrie = Arbeitskräftepotential wichtig
  • Chemische Industrie, Bauindustrie = Ansiedlungsgelände entscheidend

Qualität und Bewertung der Standortfaktoren ist dem Wandel der Zeit unterworfen,

  • B. wird aktualisiertes Wissen heute höher bewertet als Arbeitskräfte und Kapital
  • früher geltender Grundsatz „Industry grows but seldom moves“ gilt nicht mehr
  • Kosten für Transport von Waren, Menschen und Informationen sind in den letzten Jahren stark gesunken
  • Abnahme des Materialgewichts und der Zahl der Teile haben durch Miniaturisierung Unternehmer unabhängiger von einem bestimmten Standort gemacht, sog. Foot-loose- Unternehmen
  • neue ProduktionsverfahrenB. für die Herstellung von Stahl führte in den letzten Jahrzehnten zu abnehmendem Kohlebedarf
  • abnehmende Materialintensität und wachsendes Umweltbewußstein führte zum Rückkang des Stahlbedarfs und der Stahlproduktion
  • Zollkosten werden wegen der Freizügigkeit des Warenverkehrs und der Bestimmungen der Welthandelsorganisation (WTO) innerhalb von Europa immer weniger wichtig

 2
Harte Standorttfaktoren

  • Beitrag zum Unternehmenserfolg ist konkret messbar

Infrastruktur

  • Ver- und Entsorgungseinrichtungen aller Art,
  • Bildungseinrichtungen, berufliche Aus- und Weiterbildung,
  • Kommunikation, usw

Verkehr

  • Verkehrslage, Anbindung an Straße, Bahn, Wasserwege,
  • Nähe zu Flughäfen, Pipelines, Frachtsätze

Nähe zu Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen

  • Hochschulen, Fachhochschulen, Institute

Flächenverfügbarkeit

  • Kosten, Grad der
  • Erschließung,
  • Beschaffenheit

politische und soziale Situation

  • Stabilität, Sicherheit
  • der Investition,
  • sozialer Friede, Streikhäufigkeit

gesetzliche und tarifliche Rahmenbedingungen

  • Arbeitszeiten, Sozialversicherungen, Genehmigungsverfahren

Steuern, Abgaben

  • B. Höhe der Hebesätze für die Gewerbesteuer

Umweltauflagen

  • Standards, Kosten

öffentliche Wirtschaftsförderung

  • Steuerentlastungen, Darlehen, Investitionszulagen,
  • Vorleistungen im Bereich der Infrastruktur,
  • Bereitstellung von Gelände

Agglomerations u. Fühlungsvorteile

  • Anwesenheit gleicher oder verwandter Branchen,
  • Kooperationsmöglichkeiten,
  • Nähe zu Behörden, Zulieferern, Hochschulen

Arbeitskräfte

  • Zahl, Qualifikation, Löhne, Lohnnebenkosten

natürliche Bedingungen

  • Klima, mögliche Naturkatastrophen, Relief

Rohstoffe

  • Preise, Lage zum Beschaffungsmarkt: Entfernung, Standorte von Zulieferern

Energiequellen

  • Kosten, Verfügbarkeit

Absatzmarkt

  • Größe, Entfernung, Konkurrenz

3
Weiche Standorttfaktoren

Beitrag zum Unternehmenserfolg ist konkret nicht messbar, kann nur geschätzt werden

Mentalität

  • Arbeitseinstellung, Motivation, Leistungsbereitschaft
  • Werbewirksamkeit des Standortes
  • Herkunfts-Goodwill, z.B. „Made in Germany”

persönliche Gründe

  • Vorlieben, Bindung an den Heimatraum

Wohn- und Freizeitwert

  • landschaftlicher Reiz, kulturelles Angebot, Erholungswert, Verfügbarkeit von Wohnraum und Bauplätzen

Konkurrenzsituation

  • vorhandene Konkurrenten, die einerseits Kundenmagnet sein können, andererseits auch Marktanteile wegnehmen können

4
Verfahren der Standortwahl

  • erste systematische Darstellung der Suche eines optimalen Standortes für ein Industrieunternehmen ist auf Volkswirt Alfred Weber in seinem Beitrag „Über den Standort der Industrien“ 1909 erschienen

1 Methode „Profilmethode“

  • erstellt wird eine Liste der für den konkreten Betrieb relevanten Standortfaktoren
  • für jeden potentiell möglichen Standort wird ein Profil erstellt
  • Die Standortfaktoren werden dann hinsichtlich ihrer Ausprägung an den alternativen Standorten bewertet.
  • Dazu erfolgt eine Vergabe von Werten zwischen z.B. 0 und 10 oder 0 und 100.
  • Zudem wird ein Idealprofil erstellt, um die einzelnen Standortprofile mit diesem Idealprofil zu vergleichen.

2 Sog. Punktmethode bzw. Punktwertverfahren, auch standortspezifische Nutzwertanalyse genannt

  • sehr bekanntes Instrument zur Entscheidungsfindung
  • im Gegensatz zu der Profilmethode werden nicht nur die einzelnen Standortfaktoren an den alternativen Standorten bewertet, sondern auch noch hinsichtlich der Bedeutung für das Unternehmen gewichtet
  • aus der Gesamtzahl der erreichten Punkte alternativer Standorte wird dann die Entscheidung abgeleitet

http://www.online-lehrbuch-bwl.de/lehrbuch/kap5/standortw/standortw.pdf

3 Methode „Return of Investment“

  • vergleicht die für jeden alternativen Standort entstehenden Investitionskosten mit den zu erwartenden Gewinnen, Grundlage zur Berechnung sind die Erfahrungswerte aus allen Branchen

4 Methode objektivierter mathematischer Vergleich

  • Vorgehensweise mittels multivariater statistischer Verfahren

5 Sonstige Methoden

  • Vielfach gibt es noch weitere Methoden mit unterschiedlichen Namen, z.B. Gravitationsmodelle und Kapitalwertmethode, Profilanalyse, Kundenlaufstudie und nonverbale Imageanalyse

vgl. auch Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmensstandort

5
Virtuelle Standorte und Standortfaktoren

Im Rahmen der Digitalisierung bekommen virtuelle Standorte und virtuelle Standortfaktoren immer mehr Bedeutung, wie die folgenden Beispiele zeigen sollen

Domain-Name

  • leicht zu merken
  • aussagekräftig
  • animierend

Hosting

  • eigener Server
  • bei Provider

IT-Sicherheit

  • baulich abgesichert
  • Internetsperren durch Firewalls etc.

Vertrauenswürdigkeit

  • trusted Shops
  • Service Programm
  • Hotline

Haftung für Inhalt und Links

  • Rechtsprechung stellt Instrumente bereit
  • Urteile zum Schutz der Nutzer

 

 

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